KI ist in aller Munde. Die technischen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz sind faszinierend und die Ergebnisse zum Teil verblüffend, zum Teil ernüchternd.
Aber ist das alles denn auch nachhaltig? Kann ich KI guten Gewissens für meine Arbeit (oder meine Freizeit) einsetzen? Und worauf muss ich achten?
Diese Fragen nehme ich mir heute vor.
Was ist künstliche Intelligenz?
Das Feld der künstlichen Intelligenz ist sehr weit. Man versteht darunter grundsätzlich erst mal alle nicht-organischen Systeme, die Anzeichen von Intelligenz zeigen.
Das, was wir heute im Allgemeinen als künstliche Intelligenz oder KI bezeichnen, ist meistens eine generative oder agentische KI, die in der Lage sind, aus einem umfangreichen Modell, das auf enormen Datenmengen trainiert wurde, Text, Bilder, Videos und Anderes zu generieren.
Diese Art der künstlichen Intelligenz ist heutzutage möglich, weil wir
- die Datenmengen und
- die Rechenkapazitäten
zur Verfügung haben, um die Modelle zu trainieren und zu betreiben.
Daneben gibt es noch sehr viele weitere spannende Spielarten künstlicher Intelligenz, die in der breiten Wahrnehmung allerdings momentan eine untergeordnete Rolle spielen und deshalb hier nicht behandelt werden.
Was hat KI mit Nachhaltigkeit zu tun?
Nachhaltigkeit wirkt aus drei Perspektiven:
- ökologisch
- sozial
- ökonomisch
Wenn Du mehr über diese Perspektiven lesen möchtest, schau Dir gerne noch mal unseren entsprechenden Artikel an.
Ökologische Nachhaltigkeit und KI
Ein großes Problem, das generative und agentische KI verursacht, ist der enorme Ressourcenhunger. Die Modelle müssen trainiert und die Softwareanwendungen, die diese Modelle verwenden, müssen betrieben werden. Hierzu sind große Datenzentren notwendig, die die entsprechende Speicher- und Rechnerinfrastruktur bereit stellen.
Die Gebäude, Infrastruktur und Hardware dieser Rechenzentren fressen Unmengen an Rohstoffen beim Bau sowie der Beschaffung. Darunter befinden sich auch extrem klimaschädliche Ressourcen, wie z.B.
- Zement und Beton mit einem hohen CO₂-Impact
- Giftige Säuren und Lösungsmittel bei der Chipherstellung
- Seltene Rohstoffe wie Gallium, Kobalt und andere seltene Erden
Aber auch der Betrieb der Rechenzentren ist ressourcenintensiv und klimaschädlich. Für die Kühlung von Anlagen, aber auch die Produktion des benötigten Stroms wird wertvolles Trinkwasser benötigt. Und der Strombedarf selbst stellt sein eigenes Problem dar, wenn dieser aus klimaschädlichen Quellen wie Atomreaktoren oder Gas- und Kohlekraftwerken stammt.
Soziale Nachhaltigkeit und KI
Die gerade beschriebenen Rohstoffe für die Bereitstellung der Rechen- und Datenzentren werden zum großen Teil unter prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen gefördert. Der Arbeitsschutz und die Entlohnung sind häufig mangelhaft und zum Teil wird auch Kinder- oder Zwangsarbeit genutzt, um die Rohstoffe zu fördern bzw. die Materialien zu fertigen.
Aber auch die Daten, die in den Modellen verarbeitet werden, sind problematisch. Da die Modelle in der Regel auf den Daten des “Internets” trainiert werden, werden hierzu Daten und Informationen genutzt, die urheberrechtlich schützenswert sind. Die Urheber dieser Daten werden hierfür jedoch weder gefragt noch entlohnt. Die Hersteller der Modelle machen sich also die Arbeit Anderer zu Nutze und verarbeiten sie in ihren kostenpflichtigen Angeboten, ohne die Zustimmung zu dieser Nutzung eingeholt zu haben oder für die Nutzung zu bezahlen.
Ein weiterer Aspekt zur sozialen Nachhaltigkeit, der aktuell gerade sichtbar wird, sind die Auswirkungen auf die Arbeitsmarksituation. Firmen versuchen gerade, durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz Arbeitskräfte einzusparen, z.B. in der Kundenbetreuung oder der Softwareentwicklung. Dabei ist noch ungeklärt, welche Auswirkungen das auf die Arbeitsergebnisse hat und ob diese in Qualität und Nutzen mit den Ergebnissen menschlicher Arbeit vergleichbar sind.
Gleichzeitig ist unklar, wie wir als Gesellschaft mit dem großflächigen Wegfall von menschlichten Arbeitskräften umgehen würden. Wie würden wir dafür sorgen, dass jeder Mensch ein menschenwürdiges Leben führen kann, sollte ein großer Teil der Arbeit von Maschinen erbracht werden? Aktuell sieht es nicht danach aus, als würden die Gewinne uns Allen zu Gute kommen - stattdessen werden eine kleine Menge überreicher Menschen noch vermögender.
Ökonomische Nachhaltigkeit und KI
Und damit sind wir auch schon beim letzten Punkt, der Wirtschaftlichkeit. Aktuell arbeiten die Anbieter von KI wie OpenAI oder Anthropic, aber auch Google, Meta und Amazon, defizitär. Das heißt, die Angebote wie ChatGPT, Gemini und Co. kosten den Nutzer heute weniger, als Entwicklung und Betrieb den Hersteller. Das ist aktuell nur deshalb möglich, weil es eine Vielzahl an Investoren gibt, die Geld in diese neuen Systeme stecken in der Hoffnung, dass diese in Zukunft profitabel arbeiten werden und Gewinne ausschütten können.
Das ist aber nur dann möglich, wenn die Preise für uns Entkunden massiv ansteigen werden. Die Vermutung liegt also nahe, dass die relativ günstige Nutzung von KI uns heute an diese Technologie gewöhnen soll, damit wir bei den zu erwartenden Preisanstiegen schwerer davon loskommen.
Das klingt schlecht, was kann ich tun?
Die Betrachtung von KI unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist erst mal ernüchternd. Kann ich KI dann überhaupt einsetzen, wenn mir Nachhaltigkeit wichtig ist?
Diese Frage ist pauschal vermutlich nur schlecht zu beantworten.
Die grundlegende Problematik aller aktuellen Modelle in Bezug auf die soziale Nachhaltigkeit ist als Anwender nicht lösbar. Wenn einem soziale Gerechtigkeit also wichtig ist, dann sollte man KI nicht nutzen.
Ansonsten hilft mir jedoch der Vergleich mit einer anderen Technologie, die zwar große Probleme in punkto Nachhaltigkeit hat, die ich aber trotzdem nutze: das Auto
Auch ein Auto - meine Familie fährt noch einen Verbrenner, weil wir unsere Autos so lange nutzen, bis sie wirklich kaputt sind - hat sehr negative Auswirkungen auf Klima und Gesellschaft. Deshalb versuche ich, es bewusst und sparsam zu nutzen.
Und das gleiche gilt für mich auch für KI. Ich überlege mir gut, ob ich für einen Anwendungsfall große Vorteile von der Nutzung einer KI habe, oder ob es nur ein nice to have ist. Ich überprüfe auch, welche Anbieter von KI ich auswähle. Aktuell ist die Auswahl “nachhaltigerer” Alternativen sehr eingeschränkt, aber ich kann mir zumindest überlegen, welcher Hersteller fairer und nachhaltiger arbeitet als die Anderen.
Insgesamt beobachte ich bei mir allerdings schon, dass ich generative KI momentan nur sehr zögerlich und agentische KI gar nicht einsetze, da mir die oben beschriebenen Nachteile zu überwiegen scheinen.